Alexandra Zich: Calme, en avant, droit (Rezension)

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Alexandra Zich: Calme, en avant, droit (Rezension)

Beitrag  abdulhazred am Mo Feb 21, 2011 12:52 pm

Alexandra Zich: Calme, en avant, droit. Ruhig, vorwärts, gerade. Ein Buch über den Weg zur Reitkunst. Schondorf: Wuwei Verlag, 2007. 196pp. EUR 19,80.

Dieses Buch ist, auch wenn der Titel ein bisschen danach klingt, keine Reitlehre, wie gleich im Vorwort klargestellt wird:

„Calme, en avant, droit […] möchte Sie sensibilisieren für unser aller Verantwortungsbewusstsein dem Pferd gegenüber. […] Es erwartet Sie keine Reitlehre – und dennoch ist dies ein Buch, das es sich zur Pflicht gemacht hat, Ihnen einen Weg zur Reitkunst zu ebnen.“

So geht es dann auch gleich los mit der Geschichte der Mensch-Pferd-Beziehung. Dabei zeigt sich sofort der rote Faden, der sich durchs ganze Buch zieht: immer steht die Beleuchtung des schmalen Grats zwischen Nutzung und Ausnutzung des Pferdes durch den Menschen im Mittelpunkt. Nach relativ kurzer Abhandlung des Einflusses des Pferdes auf die Wirtschaft, Kriegsführung usw. gibt es einen sehr schönen Überblick über die „alten Reitmeister“ – von Xenophon bis ins 19. Jh. Dabei werden auch die behandelt, über die nicht schon zig Bücher geschrieben wurden und deren Namen man nicht unbedingt dauernd hört.

Im 2. Kapitel gibt es dann doch so ein kleines bisschen Reitlehre. Anatomische Hintergründe werden behandelt, die Begriffe Gleichgewicht und natürliche Schiefe definiert und ihre Ursachen, Symptome und Auswirkungen auf die verschiedenen Körperpartien des Pferdes beleuchtet. Ich muss sagen, dass ich diese Begriffe selten so kompakt und gut erklärt gelesen habe. Weiters wird der Weg der Remonte zum künstlichen Gleichgewicht, d.h. zur Gewichtsverlagerung auf die Hanken, erklärt; und auch manches neues, das ich noch nirgendwo gelesen habe, wurde erwähnt, wie z.B., dass das Gebiss gemeinsam mit dem Hinterbein eine Drehung im Pferdemaul machen soll und dies die Voraussetzung für „durch das Genick Gehen“ ist (p. 164) – ganz ehrlich – noch nie gehört… interessant.

Immer wieder wird der Text mit Zitaten veschiedener Reitmeister gewürzt, deren Quellen – endlich einmal in der Reitsportliteratur!! – genau, korrekt und vollständig angegeben sind. Das hat wirklich Seltenheitswert ;-).

Schließlich widmet sich das 3. Kapitel dem „Pferd heute“, im Sport, in der Zucht, in Reitpferde- und Leistungsprüfungen, deren Vorgangsweise kritisch betrachtet wird. Schließlich noch abschließend – das Ende fand ich etwas abrupt – 3 neumodische Reitarten, die als falsch dargestellt werden, weil sie nur den Pferdehals bearbeiten … so weit so gut, dass dann aber nach 1) Schlaufzügeln, 2) Rollkur schließlich als 3) Philipp Karls „hohe Hand“ angeführt wird, hat mich doch etwas schlucken lassen. V.a. da nur seine Schüler angeprangert werden, untermauert durch ein winziges, schemenhaftes Schwarz-Weiß-Bild aus dem Internet einer Schülerin (deren Name nicht genannt wird) erschien mir schon irgendwie kindisch, oberflächlich und mehr wie eine persönlich motivierte Spitze, die - gerade auf der letzten Seite - am Ende noch einen komischen Nachgeschmack hinterließ.

Noch ein Wort zum Layout: Das ist… nennen wir es einmal so… innovativ. Es ist auf jeden Fall Geschmacksache – meinen Geschmack trifft es nicht ganz. V.a. die Zitate der Reitmeister sind – orange auf weißem Hintergrund – nicht sehr augenfreundlich zu lesen; aber wie auch immer, das tut dem Inhalt sicher keinen Abbruch.

Insgesamt hat mir das Buch besser gefallen als ich erwartet habe, da ich schon einige enttäuschte Meinungen gelesen hatte. Wenn man es aber nicht mit der Erwartungshaltung liest, eine Reitlehre vorzufinden, erfährt man doch kompakt und gut zusammengefasst und erklärt einiges neues.

Aus meinem Blog: http://blogging-buffalo-bill.blogspot.com/2011/02/rezension-alexandra-zich-calme-en-avant.html

abdulhazred

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Re: Alexandra Zich: Calme, en avant, droit (Rezension)

Beitrag  Reiterlein am Mo März 07, 2011 9:49 pm

Danke für die Rezension! Ich hab davor gestanden, es mir dann nach kurzem reinschmökern doch nicht mitgenommen. Ich kann nicht sagen woran es damals lag, aber irgendwas hielt mich davon halt ab.

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