In Memoriam: Jean Claude Dysli

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In Memoriam: Jean Claude Dysli

Beitrag  Reiterlein am Di Dez 17, 2013 9:28 pm

In Memoriam JEAN-CLAUDE DYSLI




Am 15.12.2013 ist Jean-Claude Dysli überraschend an Herzversagen gestorben. Bis zuletzt war er bei guter Gesundheit und konnte auf seinen geliebten Pferden reiten. Er folgt seinem Partner nach, dem Hengst Okie Isma Dad, der vor einer Woche am  08.12.2013 starb. Die Seelen von Jean-Claude Dysli und Okie Isma Dad waren auf Erden miteinander verbunden und sind es nun in der Ewigkeit. Wir bedauern den Tod von Jean-Claude Dysli zutiefst, und sind unendlich dankbar für jede einzelne Minute, die wir mit diesem außergewöhnlichen Menschen verbringen durften. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Olga Dysli und seinen Kindern, Amalia, Kenzie, Raphael und Jean-Jaque.


Jean-Claude Dysli hat die letzten zwei Jahre seines Lebens, all seine Kraft und Energie und sein unendliches Wissen rund um die Pferde, in seine neu gegründete JCD Riding Academy gesteckt. Er gab Kurse auf seiner Finca El Legado in Andalusien, um den Reitern seine spezielle, sanfte Art im Umgang mit Pferden nahezubringen. “El Legado” bedeutet auf Deutsch “das Vermächtnis”. Er wollte im Rahmen der JCD Riding Academy seine Philosophie weitergeben, dass wirkliches Reiten, das Verschmelzen von Pferd und Reiter, nur funktioniert, wenn die bedingungslose Liebe zum Pferd vorhanden ist.

Zwei Tage vor seinem Tod schrieb er das Vorwort für den kommenden Weihnachts-Newsletter:
“Als 1972 und 1973 die ersten beiden Equitana stattfanden, damals noch unter dem Patronat von Wolf Kröber, stellte ich, von Kalifornien kommend, das Western-Reiten dem europäischen Publikum erstmals vor. Ich hatte zwei Quarter Horses im "Gepäck", die ich in der Hackamore vorgestellt habe, eine damals völlig unbekannte Zäumung. Der Erfolg war umwerfend, da man zum ersten Mal gerittene Pferde ohne Gebiss im Maul sehen konnte und die dazu noch relativ hohe Manöver (Zweierwechsel, direkte und inverse Pirouetten, hohe Tempoveränderungen und elegante Sliding Stopps) zeigen konnten. Diese Vorführungen von mir waren der eigentliche Startschuss zum Interesse am Western-Reiten, das bis heute ungebrochen ist. Aber was ist nun inzwischen seit 1972, also seit 40 Jahren, mit dieser herrlichen und schonenden Art Pferde zu reiten passiert? Das Gegenteil von dem, was ich damals versucht habe, als Botschaft mit in die Reiterei zu bringen, nämlich schonende Ausbildung und keine Abrichtung, dem Pferd seine Individualität zu lassen und es nicht zu versklaven, die Anlehnung auf ein Minimum zu beschränken mit dem Ziel zum losen Zügel hin und nicht zur Rollkur...“


Aufgewachsen auf einem Hof in der französischen Schweiz lernte Jean-Claude Dysli dort bereits den einfühlsamen Umgang mit Pferden von seinem Großvater. Nach dem Abitur kam er zur Schweizer Kavallerie – keine gute Zeit, denn hier mussten Pferd und Reiter einfach nur funktionieren. Erst bei seiner Begegnung mit Fredy Knie sen. verstand er vollkommen, was es bedeutet, ein Pferd zu lieben und respektvoll mit ihm umzugehen. Nach einem Bauingenieur-Studium an der ETH in Zürich zog es Jean-Claude Dysli 1960 nach Amerika, wo er sein Studium mit dem Master of Science in Berkeley abschloss.

Zur Feier des Tages ging der reitverrückte junge Mann abends in den Cow Palace in San Francisco. Fasziniert von der Leichtigkeit, Lässigkeit und Eleganz dieser Westernreiter bewarb er sich um einen Job bei den Brüdern George und Harry Rose, die zu den bedeutendsten Trainern von Western Horses zählten. Seine bisherige Karriere und den für ihn vorgesehene Lebensweg ließ er spontan hinter sich. Vier Jahre lernte er bei George und Harry Rose das ganze Alphabet des Westernreitens, wurde zum Trainer ausgebildet und mit der Zucht der Quarter Horses vertraut. Im Anschluss arbeitete er als Cowboy, gewann bei Turnieren begehrte Preise und wurde dadurch über die Grenzen Kaliforniens hinaus bekannt. Einige seiner Erfolge, waren erste Preise in Cutting und Working Cowhorse am Cow-Palace in San Francisco und in Santa Barbara und der Prestigepreis des „Best Cowhorse of Nevada“, den er gleich zweimal gewann. Er lernte in dieser Zeit auch die Legenden Ray Hunt und Tom Dorrance kennen, der Beginn einer langjährigen Freundschaft. Diese besonderen Horsemen prägten Jean-Claude Dysli nachhaltig, so dass er sein Leben und die Pferdeausbildung u.a. nach deren Philosophie ausrichtete.

Jean-Claude Dysli hatte sich in den Kopf gesetzt, Westernreiten in Europa einzuführen, und damit alles andere als eine einfache Aufgabe gestellt. Die Vorführungen des "Cowboys" wurden von den Europäern eher als Zirkusnummern gesehen und nicht als ernsthafte Reiterei. Immerhin gab man ihm die Chance, an einer Großveranstaltung in Basel vor der versammelten Crème de la Crème des Schweizer Pferdesports sein Können zu zeigen. Zuerst ritt er seinen Hengst in der klassisch-kalifornischen Zäumung auf Kandare in einer traditionellen kalifornischen Dressur, danach zeigte er ein europäisches M-Dressurprogramm in der gebisslosen klassischen Hackamore und schließlich als Working Cow Horse ohne jede Zäumung. Das Einzigartige dabei war, dass er all diese Übungen mit demselben Pferd vorführte! Nach dieser einmaligen Darbietung wurde er nicht mehr belächelt, sondern ernst genommen. Ein Jahr später gab er seinen ersten Western-Reitkurs in der Schweiz. 1973, als Wolf Kröber ihn erstmals zur Equitana einlud, brachte er ein Dutzend weitere, durchwegs erstklassige Quarter Horses von Kalifornien nach Europa. So konnte er auf der Equitana einem großen Publikum das Westernreiten präsentieren und das Fundament der europäischen Westernreitweise legen.

Jean-Claude Dysli war von seiner Sache überzeugt und konnte andere davon überzeugen. Welchen einzigartigen Siegeszug die von ihm nach Europa gebrachte Reitweise viele Jahre später haben sollte, davon hatte Jean-Claude Dysli anfangs keine Vorstellung. Und wer die Möglichkeit hatte, ihm mal zuzuschauen, wenn er im RoundPen Bodenarbeit mit einem Jungpferd machte, im riesigen Sandviereck einen Reiner ausbildete oder am Rind arbeitete – kam kaum auf den Gedanken, einen ehemaligen Hauptmann der Schweizer Kavallerie vor sich zu haben. Und er konnte es bis zu seinem letzten Tag nicht lassen! Unermüdlich arbeitete er mit seinen Pferden und seinen Schülern und bemühte sich, sein Wissen weiterzugeben in der Hoffnung, den einen oder anderen Pferdefreund ein Stück weiter zu bringen. Und rief man ihn "Cowboy", ging ihm ein leichtes Lächeln übers Gesicht. Jean-Claude Dysli war ein Pferdemann durch und durch und wird es in unseren Herzen immer bleiben!

Jean-Claude Dysli war einer der ganz Großen, eine Legende des Westernreitsports. Die JCD Riding Academy wird sein Vermächtnis weitertragen und in seiner Philosophie Reiter ausbilden.



16.12.2013/ JCD Riding Academy

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